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Von 3 auf 30 Millionen Meter in 30 Jahren

Was 1996 mit wenigen Maschinen und einer mutigen Entscheidung begann, ist heute eines der wettbewerbsfähigsten Schlauchwerke der Welt. Die Geschichte einer Partnerschaft, die geprägt ist von Vertrauen und Respekt sowie der unaufhörlichen Verbesserung der Produktionsprozesse.

 

Wir erreichen Michael Adelbauer auf dem Weg vom Semperit-Stammwerk Wimpassing ins tschechische Odry, wo das größte Schlauchwerk Europas steht. Das T-Shirt, das er trägt, ziert jedoch das Logo des 30-jährigen Jubiläums der Semperflex Asia Corporation (SAC) – ein kleines Detail, das seine Verbindung zum Standort in Hat Yai im Süden Thailand ins Bild rückt. Seit den Anfängen in den 1990er-Jahren hat er die Entwicklung der SAC geprägt. Als Adelbauer damals als Qualitätsmanager für ein paar Wochen nach Thailand reist, gibt es noch kein Smartphone, keine permanente Erreichbarkeit – dafür eine klare Vision: den Aufbau eines Produktionsstandorts in Asien, der das globale Geschäft nachhaltig stärken soll. 1996 wird diese Vision Realität. Gemeinsam mit dem thailändischen Partner Sri Trang gründet Semperit die Semperflex Asia Corporation.

Der Start erfolgt mit einer Kapazität von rund 3 Millionen Metern Hydraulikschlauch pro Jahr. Kurz darauf trifft die Asien-Finanzkrise die Region mit voller Wucht. Während viele Infrastrukturprojekte gestoppt werden, konzentriert sich die SAC auf Exportmärkte, allen voran in Amerika. „Bis heute sind die USA der größte Markt für die SAC“, so Adelbauer. Die Hydraulikschläuche finden Anwendung in unterschiedlichsten Industrien – vom Maschinen- und Anlagenbau über die Landmaschinentechnik bis hin zum Bergbau. 

In den folgenden Jahren erweitern die Joint Venture-Partner den Standort kontinuierlich – die Kapazitäten werden aufgestockt, die Spiraltechnologie eingeführt und ein Mischbetrieb aufgebaut. Aus wenigen Maschinen wird so ein hochentwickelter Produktionsbetrieb. Die Kapazität steigt zur Jahrtausendwende auf 8,5 Millionen Meter und erreicht heute rund 30 Millionen Meter Schlauch pro Jahr. Eingebettet in das globale Produktionsnetzwerk von Semperit mit weiteren Standorten in Tschechien und China trägt SAC dazu bei, dass täglich bis zu 350 Kilometer Hydraulikschlauch produziert werden können.

Unsere Schläuche halten einer Million
Belastungszyklen stand.

Raphael Farfeleder, Semperit Industrial Applications

Prozesse als Qualitätssicherung

Dabei liegt der eigentliche Wettbewerbsvorteil nicht in der Größe. „Entscheidend ist die kompromisslose Prozessqualität. Denn das ist die beste Qualitätssicherung. Nicht Kontrolle am Ende, sondern Perfektion im Prozess selbst“, betont Adelbauer. Über Jahre hinweg wurden Abläufe standardisiert, harmonisiert und technisch perfektioniert – an allen Standorten. Das Ergebnis: weltweit identische, verlässliche Qualität.

Und die Harmonisierung geht weiter. Aktuell wird in Hat Yai die neueste Generation der Spiralschlauchfertigung ausgerollt, die in Österreich und Odry entwickelt wurde. Die Technologie ermöglicht höhere Druckbeständigkeit, verbesserte Flexibilität und insgesamt eine bessere Performance. „Für Kunden bedeutet das konkreten Mehrwert“, sagt Raphael Farfeleder, seit Jahresbeginn Director Operations der Division Semperit Industrial Applications und Nachfolger von Michael Adelbauer. „Die Schläuche lassen sich einfacher verbauen und halten einer Million Belastungszyklen stand. Am Markt gefordert sind 400.000 Zyklen“.

Unsere Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt.

Suchart Saepong, Semperflex Asia Corporation

Lokale Stärke und globale Integration

Farfeleder kennt den Standort und das Schlauchgeschäft seit langem. Seit rund 13 Jahren bei Semperit und inzwischen viermal im Jahr vor Ort in Thailand, hat er eng mit Adelbauer zusammengearbeitet. Er sieht sich in einer klaren Rolle: Bewährtes weiterführen und gleichzeitig neue Impulse setzen: „Wir bauen auf einem starken Fundament auf – technologisch wie partnerschaftlich.“ Das 50:50-Joint Venture mit Sri Trang folgt einer klaren Logik: Beide Partner konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Stärken. Sri Trang managt die rund 400 Mitarbeiter:innen vor Ort – viele von ihnen sind seit Jahren oder sogar Jahrzehnten Teil des Unternehmens sowie das Stakeholdermanagement – und Semperit bringt die Technologie ein, verantwortet Produktentwicklung sowie Vertrieb. „Diese Kombination aus globaler Integration und lokaler Stärke ist eine klassische Win-Win-Situation“, bringt es Farfeleder auf den Punkt. 

Die Basis dafür ist nicht nur Strategie und Struktur, sondern vor allem Vertrauen. Genau das betont auch Suchart Saepong, Werksleiter von SAC in Hat Yai: „Unsere Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen, offener Kommunikation und gegenseitigem Respekt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den vergangenen 30 Jahren ist, dass das Verständnis für unterschiedliche Kulturen uns stärker macht. Wir haben gelernt, dass Erfolg nicht nur von Technologie abhängt, sondern von Menschen, die bereit sind, voneinander zu lernen. Diese Werte haben uns geholfen, Herausforderungen gemeinsam zu meistern, und sie werden uns auch in Zukunft leiten.“ 

„Die Menschen fühlen sich als Teil eines Ganzen“, sagt Suchart Saepong. „Sie wissen, dass ihr Beitrag zählt. Denn bei uns gilt One Team – one Goal.“ Für Farfeleder ist genau das auch ein Vermächtnis seines Vorgängers: „Michael hat uns vorgelebt, wie wichtig Vertrauen und Fairness sind. Und dass es wesentlich ist, Details in der Tiefe zu verstehen, um Dinge zu hinterfragen und voranzubringen.“ Drei Jahrzehnte nach den ersten Metern Schlauch steht SAC damit beispielhaft für das, was langfristigen Erfolg und Resilienz ausmacht: eine klare Vision, eine starke Partnerschaft – und die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

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