Semperit im ersten Halbjahr 2018 mit stark gestiegenem operativen Ergebnis, aber erheblichen Sondereffekten

23.08.2018 (Presseinformation)

  • Konzernumsatz von 448,5 Mio. EUR um 2,8% unter Vorjahresniveau
  • 13,4% Umsatzrückgang im Sektor Medizin durch Wettbewerbs-und Preisdruck
  • Ergebniszahlen durch negative Sondereffekte belastet: Wertminderung Sempermed mit 55,2 Mio. EUR EBIT-Auswirkung und Schließung China: 3,9 Mio. EUR mit EBITDA-Effekt bzw. mit 7,9 Mio. EUR EBIT-Effekt
  • Um negative Sondereffekte bereinigtes EBITDA stieg um 45,3% auf 32,7 Mio. EUR, bereinigte EBITDA-Marge von 4,9% auf 7,3%
  • Um Sondereffekte bereinigtes EBIT mit 13,2 Mio. EUR mehr als verdoppelt, bereinigte EBIT-Marge stieg von 1,3% auf 2,9%
  • Sektor Industrie gewinnt zunehmend an Dynamik, bereinigte EBITDA-Marge steigt von 11,8% auf 14,3 %

Wien/Österreich, 23. August 2018 – Das operative Ergebnis (bereinigtes EBIT) der börsennotierten Semperit Gruppe ist in den ersten sechs Monaten 2018 trotz leichter Umsatzeinbußen deutlich angestiegen: „Wir konnten unser operatives Ergebnis im ersten Halbjahr stark verbessern“, sagt Dr. Martin Füllenbach, Vorstandsvorsitzender der Semperit AG Holding. „Unser Restrukturierungs- und Transformationsprogramm haben wir in den vergangenen Monaten signifikant intensiviert. Ein konsolidierter Blick auf den Sektor Industrie zeigt, dass der zunehmend erkennbare Erfolg der bereits gesetzten Maßnahmen unseren Kurs bestätigt. Die nach außen sichtbarsten Ergebnisse sind hierbei die bereits erfolgten Werksschließungen in Frankreich und China sowie der derzeit laufende Schließungs- bzw. Verkaufsprozess bei zwei weiteren Standorten in Deutschland und Italien. Der Sektor Medizin bleibt unsere anspruchsvollste Herausforderung, an der wir mit hoher Konzentration und Fokussierung arbeiten.“

Die Geschäftsentwicklung war im ersten Halbjahr 2018 von fortwährender globaler Wachstumsdynamik und günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt, jedoch sorgten der eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China, steigende Inflation und massive Währungsentwertungen in einigen der großen aufstrebenden Volkswirtschaften zunehmend für Unsicherheit an den Rohstoff- und Finanzmärkten.

Im Sektor Medizin und im Segment Sempertrans waren geringere Absatzmengen und Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Hingegen konnten sich Semperflex und Semperform im globalen Absatz gut behaupten und einen Umsatzanstieg erzielen. Gleichzeitig wurden die Restrukturierungs- und Transformationsmaßnahmen auf Konzernebene intensiviert: Das führte zu einer Verbesserung der operativen Performance. Im Zusammenhang mit der Komplexitätsreduktion im Produktionsfootprint wird derzeit der Semperform-Standort Dalheim in das Werk Hückelhoven (beide Deutschland) integriert und ein Verkauf des Semperflex-Standortes Roiter (Italien) geprüft. Den positiven Entwicklungen stehen hohe Restrukturierungskosten sowie die Entwicklung des Sektors Medizin entgegen, in dem eine Wertminderung in Höhe von 55,2 Mio. EUR vorgenommen werden musste.

Der Konzernumsatz lag im ersten Halbjahr 2018 mit 448,5 Mio. EUR um 2,8% unter dem Vergleichswert des Vorjahres, wobei der Sektor Industrie eine Umsatzsteigerung von 4,0% erzielte. Im Sektor Medizin war der Umsatz hingegen um 13,4% rückläufig. Das um die Schließungskosten in China bereinigte EBITDA stieg von 22,5 Mio. EUR auf 32,7 Mio. EUR und die bereinigte EBITDA-Marge von 4,9% auf 7,3%. Das ausgewiesene EBITDA lag im ersten Halbjahr 2018 bei 28,9 Mio. EUR, nach 97,3 Mio. EUR im ersten Halbjahr 2017 (erhöht durch den Sondereffekt aus der Joint Venture-Transaktion).

Entsprechend entwickelte sich auch das bereinigte EBIT positiv und stieg von 6,2 Mio. EUR im ersten Halbjahr 2017 auf 13,2 Mio. EUR im gleichen Zeitraum 2018, die bereinigte EBIT-Marge wuchs von 1,3% auf 2,9%. Das ausgewiesene EBIT lag im ersten Halbjahr 2018 bei –49,8 Mio. EUR nach 54,3 Mio. EUR im ersten Halbjahr 2017. Das ausgewiesene Ergebnis nach Steuern für das erste Halbjahr 2018 lag bei –67,4 Mio. EUR und im ersten Halbjahr 2017 bei 21,2 Mio. EUR. Das Ergebnis je Aktie betrug im ersten Halbjahr 2018 –3,33 EUR nach 1,03 EUR im ersten Halbjahr 2017.

Die zahlungswirksamen Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte lagen im ersten Halbjahr 2018 mit 42,1 Mio. EUR über dem Vorjahresniveau von 35,8 Mio. EUR. Die Investitionsschwerpunkte bildeten Erweiterungs- und Verbesserungsinvestitionen in den Segmenten Semperflex (Erweiterung der Hydraulikschlauchproduktion am Standort Odry, Tschechien) sowie Sempertrans (vor allem zur Erweiterung des Mischbetriebes in Bełchatów, Polen).

Mit einer Eigenkapitalquote von 39,4% (Jahresende 2017: 32,6%) verfügte Semperit zum Bilanzstichtag über eine weiterhin solide Kapitalausstattung, die durch das Hybridkapital gestärkt wurde. Das Hybridkapital ist bilanzrechtlich nach den Vorschriften der IFRS als Eigenkapital zu qualifizieren. Im März 2018 erfolgte eine Aufnahme von 130,0 Mio. EUR aus dem Hybridkapital. Die liquiden Mittel lagen per 30. Juni 2018 bei 201,1 Mio. EUR und damit deutlich über dem Niveau per Jahresende 2017 mit 165,5 Mio. EUR.

Aufgrund des negativen Ergebnisses nach Steuern im Jahr 2017 und der Fortsetzung des Restrukturierungs- und Transformationsprozesses hatte die Hauptversammlung am 25. April 2018 mehrheitlich beschlossen, keine Ausschüttung einer Dividende für das Jahr 2017 (2016: 0,70 EUR je Aktie) vorzunehmen.

SEKTOR INDUSTRIE: HÖHERER ABSATZ UND DEUTLICH STEIGENDES ERGEBNIS

Die Restrukturierung und Transformation im Sektor Industrie (Segmente Semperflex, Sempertrans und Semperform) gewann an Dynamik, obgleich sich die einzelnen Segmente weiterhin sehr unterschiedlich entwickelten. Dabei konnte der Umsatz in Semperflex und Semperform gesteigert werden. Dementgegen ging der Umsatz bei Sempertrans auf Grund einer Ausrichtung des Produktmixes zu margenstarken Erzeugnissen sowie der Schließung des Werks in Frankreich und geringer Produktion in China im ersten Halbjahr 2018 zurück. In Summe stieg der Umsatz im Sektor Industrie um 4,0% auf 291,4 Mio. EUR, wobei der größte Anteil an der Steigerung auf das Segment Semperflex zurückzuführen ist. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahresniveau um 26,0% auf 41,8 Mio. EUR und das bereinigte EBIT um 30,4% auf 30,5 Mio. EUR. Entsprechend erhöhte sich die EBITDA-Marge um 2,5 Prozentpunkte auf 14,3% und die EBIT-Marge um 2,1 Prozentpunkt auf 10,5%.

SEKTOR MEDIZIN: RÜCKLÄUFIGER ABSATZ DURCH WETTBEWERBS-UND PREISDRUCK

Die Entwicklung des Segments Sempermed im Sektor Medizin war im ersten Halbjahr 2018 vor allem durch den sich verstärkenden Wettbewerbs-und Preisdruck gekennzeichnet, der sich in einer um 13,4% rückläufigen Umsatzentwicklung niederschlug. Zusätzlich war die Ergebnisentwicklung durch die eingeschränkte Verfügbarkeit von Syntheselatex sowie durch Produktionsineffizienzen geprägt. Im Ergebnis des ersten Halbjahres 2018 ist eine Wertminderung von 55,2 Mio. EUR (nur für das EBIT relevant) enthalten.

Im Vergleich mit der Vorjahresperiode ist zu beachten, dass im ersten Halbjahr 2017 ein positiver Sondereffekt von rund 78 Mio. EUR als Ergebnis der Auflösung des Joint Ventures zur Handschuhproduktion in Thailand sowie der negative Sondereffekt durch die Wertminderung von 26,0 Mio. EUR (nur für das EBIT relevant) erfasst wurde. Das bereinigte EBITDA für das erste Halbjahr 2017 betrug 1,7 Mio. EUR, das bereinigte EBIT lag bei –4,0 Mio. EUR. Im Vergleich mit den bereinigten Werten des ersten Halbjahr 2017 lag das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr 2018 mit 0,1 Mio. EUR und das bereinigte EBIT mit –7,3 Mio. EUR unter den Werten der Vorjahresperiode.

AUSBLICK 2018

Im weiteren Verlauf des Restrukturierungs- und Transformationsprozesses wird der Vorstand Schritt für Schritt entscheiden, ob es Änderungen im Portfolio der bestehenden Segmente sowie weitere Anpassungen im Produktionsfootprint geben wird. Fortlaufende und potenziell neue Maßnahmen zur Erhöhung der Rentabilität stehen unverändert ganz oben auf der Agenda des Vorstands. Daher können weitere erhebliche Einmalbelastungen auch in den nächsten Quartalen nicht ausgeschlossen werden. Aus diesen Gründen ist das Jahr 2018 auch weiterhin als Übergangsjahr zu sehen. Bedingt durch die angeführten Entwicklungen bleibt der Ausblick für die nächsten Quartale ausgesetzt.

Semperit fokussiert sich zunächst auf organisches Wachstum, insbesondere im Sektor Industrie. Neben den laufenden Optimierungsmaßnahmen im Segment Sempermed hat Semperit zu Jahresbeginn weitere Umsetzungsschritte bei Sempertrans und Semperform gestartet. Auch Semperflex ist Bestandteil des Transformationsprozesses. Hier steht, wie auch im Mischbetrieb (Mixing), die Beschleunigung der profitablen Umsetzung der unverändert erforderlichen Investitionsprojekte und des damit verbundenen organischen Wachstumskurses im Vordergrund. Die Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten werden daher fortgesetzt. Insgesamt sind für das Jahr 2018 Investitionsausgaben (CAPEX) von rund 80 Mio. EUR (2017: 74,5 Mio. EUR) vorgesehen.

Seit dem Start des Analyse- und Transformationsprozesses im Herbst 2017 hat der Vorstand signifikante Potenziale zur Ergebnisverbesserung identifiziert und entsprechende Umsetzungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Der Abschluss der Transformation der Semperit Gruppe ist für Ende 2020 geplant. Ab diesem Zeitpunkt soll die Semperit Gruppe als zentrale Steuerungsgröße eine EBITDA-Marge von rund 10% erzielen.

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Über Semperit
Die börsennotierte Semperit AG Holding ist eine international ausgerichtete Unternehmensgruppe, die in den Sektoren Medizin und Industrie hochspezialisierte Produkte aus Kautschuk entwickelt, produziert und in über 100 Länder weltweit vertreibt: Untersuchungs- und Operationshandschuhe, Hydraulik- und Industrieschläuche, Fördergurte, Rolltreppen-Handläufe, Bauprofile, Seilbahnringe und Produkte für den Eisenbahnoberbau. Die Zentrale des österreichischen Traditionsunternehmens, das seit 1824 besteht, befindet sich in Wien. Die Semperit Gruppe beschäftigt weltweit rund 6.900 Mitarbeiter, davon rund 3.700 in Asien und rund 900 in Österreich (Wien und Produktionsstandort Wimpassing, Niederösterreich). Zur Gruppe gehören weltweit 15 Produktionsstandorte sowie zahlreiche Vertriebsniederlassungen in Europa, Asien, Australien und Amerika. Im Geschäftsjahr 2017 erzielte der Konzern einen Umsatz von 874,2 Mio. EUR sowie ein bereinigtes EBITDA (ohne Sondereffekte) von 35,8 Mio. EUR.


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